Das Bautagebuch

Der Bau des Musterwohnprojektes von Lichte Weiten e.V. in der Wönnichstr. 104 ist seit Dezember 2008 abgeschlossen. Das Bautagebuch dokumentiert die wichtigsten Schritte des Baugeschehens und entstand auch aus den Dokumentationen der Bau-AG, die sich seit Mitte 2007 regelmäßig getroffen hat. Bewohnergruppenmitglieder haben sich mit den Planern des Projektes in der Bau-AG über die Vor- und Nachteile rund um die Erd-, Mauer-, Beton- & Zimmerarbeiten, die technische Ausrüstung von Elektrokabeln bis Photovoltaik, Tischler- Fliesen- & Sanitärarbeiten, den Rettungsweg, den altersgerechten Umbau, das Gewächshaus, Balkone & Aufzug, Dämmung & Heizung usw. ausgetauscht und diskutiert.

Baugeschehen 2008

Das Haus wurde 2005 gekauft. Bis 2007 dauerte der Gruppenbildungsprozess. Der Startschuß zum eigentlichen Baugeschehen fiel mit der Aktion „Kulturbaustelle“ am 1. März 2008, bei der das entrümpelte Haus als Raum für Kunst und Kultur genutzt wurde.

Mai

Die sehr turbulente und 2 Monate andauernde „Toiletten-Diskussion“ begann. In der Bauzeit trafen uns mehrmals die oft so fernen globalen ökonomischen Prozesse hautnah! Die schwedische Firma Gustavsberg war aufgekauft und ihre favorisierten Miniflush-Toiletten wegen zu geringer Nachfrage aus der Produktion genommen worden. Ein Rückgriff auf 2-4-Liter Toiletten wurde als unbefriedigend empfunden. Bei den Wostman-Spartoiletten wurde gerade die Produktion umgestellt. Am Ende entschieden wir uns im Juni für die Dubbletten, WC´s mit Urinseparierung einer schwedischen Firma. Sie benötigt beim kleinen Geschäft 0,1 Liter Wasser (allerdings muß das Toilettenpapier dafür in einen Eimer geworfen werden), beim großen 3,5 Liter. Sie werden in den 3 oberen Geschossen sowie in der WHG 1 im EG eingebaut.

Juni

Am 02.06. erfolgte endlich der Eingang der Baugenehmigung!

Abgeschlossen:
- Einbau aller Fenster bis auf Balkontüren und Dachgeschoss-Fenster
- Auftrag Pinselputz in für Nutzung vorgesehenen Kellerbereichen (Waschküche, Werkstatt, Holzlager)
- Aufnahme Schalung der obersten Geschossdecke
- Deckendurchführungen für Dusch- und Urinabläufe bei allen Holzbalkendecken
- Kellerabsenkung im Haustechnikbereich mit Fundamentunterfahrung, Hebeanlage und neuer Kellersohle, Dämmung der Kellerdecke
- Trockenbauwände für Bäder im 1. und 2.OG
- Stahlträger für die Wohnungstrennwand im Dachgeschoss liegt und ist brandschutzverkleidet.

In Arbeit:
- Erhöhung der Dachdämmung auf 30 cm zur Verbessern der Energiebilanz. Die Träger wurden zur Zeit wegen Firmenverkäufen nicht produziert. Wir reservierten die weltweiten Restbestände von 30 cm hohen Trägern und mussten mit Hilfe des Statikers 2 Typen mischen.
- für die große Wohnung im 2.OG gibt es noch keine konkreten Nutzer_innen, jedoch diverse Nachfragen nach kleinen Appartements (ca. 45 qm). Deshalb entschieden wir die Wohnung zu teilen und ein weiteres Bad & Küchenecke einzubauen.
- „Ertüchtigung“ der Decke zwischen 3. OG und Dachgeschoss
- Haustechnik (Lüftung, Heizung, Wasser und Abwasser)
- Je nach „Baufreiheit“ Verputzarbeiten im Treppenhaus und in den Geschossen
- Aufmauerungen der Fassadenwand zur Wönnichstraße, Vorbereitung der Fensteröffnungen und des Ringbalkens

Juli

- Abriß der alten Garagen im Hof für den zukünftigen Nachbarschaftsgarten
- Eigenleistungs-Einsätze (05.07. und 12.07.) der Bewohner_innen (Ausbuddeln alter Ziegelsteine aus Plasterung im Hinterhof für Wiederverwendung)
- Richtfest am 18.07.2008 mit Dankeschön-Essen

August

- Eigenleistungs-Einsätze (8. bis 10.08.): Austausch der alten, schadstoffbelasteten Schüttung Dachgeschoss Schüttung durch feinen (Ostsee-)sand mit Hilfe von Freunden und Freundinnen
- Anlage der Dachentwässerung zur Weitlingstraße über 2 nebeneinander liegende Fallrohre mit 2 Filtern für eine höhere Ausbeute von Regenwasser zur Aufbereitung und Verwendung im Haus
- Auszugsversuche der Fassadenbefestigungen für die Balkone
- Das Dach ist im Wesentlichen fertig
- Bis aufs Dachgeschoss sind überall die Gipskartonwände gestellt und einseitig beplankt
- Alle Fenster und Türen bis auf die beiden Eingangstüren sind eingebaut
- Wir entscheiden uns für den kleinen Berliner Malerbetrieb mit garantierter Biofarbe, d.h. mit Volldeklaration.

September

- Eigenleistungs-Einsätze (20. und 28.): Graben eines Schachtes an der Hausrückseite für Wasser-, Strom- und Telefonleitungen (mit Helfer_innen)
- Diskussion über die gemeinschaftlichen Möglichkeiten bei der Nutzung der Medienanschlüsse wie eine erweiterbare Telefonanlage und eine gemeinsame Internetflatrate.
- Fußbodenbelag Balkon: in der 1.Etage gibt es Fliesen; in den anderen Etagen vorbehandelte Sibirische Lerche
- Farbkonzept der Ostfassade wurde beschlossen, Fliesen ausgesucht und Probeanstriche der Innenwände begutachtet

Oktober

Eigenleistungs-Einsatz (18.10.): Müllentsorgung; Graben für das Abwasserrohr graben; Hanf zur Isolierung von Leitungen stopfen; Ziegelsteine im Keller verlegen, 9 Tonnen Ballaststeine für Photovoltaik und Sonnenkollektoren auf das Dach transportieren, 4 Nistkästen für Mauersegler an der Ostfassade anbringen, Regenwassertank-Loch (2x3 Meter, 2m tief) graben
In der Gemeinschaftsküche wurde kein Heizkörper eingebaut, weil hier der Pelletofen steht (spätere Nachrüstung möglich)

November

Fällungen von drei Pappeln und einem Feldahorn vor dem Grundstück des Hauses für die vorgeschriebene Feuerwehrzufahrt, dafür Ersatzpflanzungen
Einführung der Bewohner_innengruppe in die Ökotechnik (Teil I: Wasser) durch den Planer Ferdinand Beetstra

Dezember

Es ist soweit!
Das Dachgeschoß wird als erstes am 13. Dezember bezogen. Nach und nach ziehen im Dezember und Januar auch die restlichen Bewohner ein. Drei Wohnungen bleiben vorerst noch frei bis nach und nach auch für sie die Bewohner gefunden sind.

Bautagebuch